VON CLAUS BOELEN-THEILE
Bislang waren die Ehrenamtler, die sich um die nach Kürten gekommenen Menschen kümmerten, ein lockerer Zusammenschluss. Fluchtpunkt Kürten, dieser Begriff etablierte sich vor etwa elf Jahren für die engagierten Kürtenerinnen und Kürtener.
„Es ist für uns aber viel günstiger, als Verein zu agieren“, sagt Leo Wulf. Er ist einer aus dem Kernteam des Fluchtpunkts, zu dem rund ein Dutzend Männer und Frauen gehören. Als ein rechtsfähiger Verein könne der Fluchtpunkt gegenüber der Gemeinde als ein richtiger Vertragspartner auftreten, ein Verein sei besser, wenn es um das Anmieten von Räumen oder um ein Bankkonto gehe.
Das Vereins-Projekt ist seit der jüngsten Mitgliederversammlung auf die Schiene gesetzt. Der Fluchtpunkt Kürten e.V. ist in Gründung, bei Amtsgericht und Finanzamt geht es in den kommenden Tagen um den Eintrag ins Vereinsregister. Noch ein Aspekt für die Ehrenamtler: Der ehemalige Gemeindereferent von St. Marien Kürten, Willi Broich, hatte vieles mit Unterstützung der Kirche gemanagt. Nun ist Broich im Ruhestand und nach Leverkusen gezogen.
Die Personalien im künftigen Verein sind bereits geklärt. Es gibt keinen klassischen Vorsitzenden, sondern einen fünfköpfigen Vorstand. Ihm gehören unter anderem Leo Wulf, Birgit Oberkötter und Doro Reiss-Kunde an. Als Team wolle man auftreten, sagen die Vorstandsmitglieder. Mit der Vereinsgründung könnte man auch sagen: Der Fluchtpunkt ist aus den Kinderschuhen herausgewachsen. Als eingetragener Verein agiert er ab jetzt als dauerhafter Sozialpartner der Gemeinde.
Laut Satzung verfolgt der Verein ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke zur Förderung der Hilfe für politisch oder religiös Verfolgte, für Flüchtlinge oder Vertriebene und deren Integration in die Gesellschaft. Der Verein will zur Unterstützung internationaler Gesinnung und der Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und des Völkerverständigungsgedankens beitragen.
In der Gemeinde-Unterkunft am Wiedenhof, sagt Birgit Oberkötter, ebenfalls aus dem Kernteam, sei der Fluchtpunkt Vertragspartner für die Kommune bei den Sozialräumen. Der Fluchtpunkt mietet diesen von der Gemeinde, ohne einen Vereinsstatus sei dies kaum möglich. „Für diesen Sozialcontainer haben wir uns stark gemacht“, berichtet die langjährige Ehrenamtskoordinatorin. Es kämen immer wieder neue Menschen aus den Krisengebieten der Welt nach Kürten. Der Fluchtpunkt gebe ihnen eine Handreichung, um in Deutschland anzukommen.
Bei der Runde im Jugendzentrum K51 berichten die Ehrenamtler von ihrer Arbeit. Internationales Café, Jobberatung, Einzelbetreuung, Möbellagerung, Finanzen, schnell wird klar, dass immer vieles zu tun ist. Leider werde der Kreis der engagierten Mitbürger aber kleiner. Neue Ehrenamtler sind beim Fluchtpunkt sehr willkommen. Eine umfassende Betreuung in den neuen Unterkünften sei aber nicht mehr möglich. Aus dem Standort am Dorfplatz Biesfeld seien jetzt rund 30 Personen in die neue Unterkunft nach Kürten-Broch umgezogen. Eine Ehrenamtlerin, die in Biesfeld die Menschen betreut, ist nach Broch mitgewechselt. Aber dies geht nur für die Gruppe aus Biesfeld, für die übrigen nicht. Rund 60 Geflüchtete plus 30 Menschen ohne Obdach sollen in Broch leben. Wulf berichtet von der Besichtigung der Wohnanlage an der Landstraße. So soll es zusätzlich zu den Außenjalousien einen weiteren Sichtschutz geben. Die Bewohner bräuchten ihre Privatsphäre, betonen die Ehrenamtler. Ob auch ein Zaun zur Landstraße kommt, ist noch offen. Mit einem Zaun könnten Kinder vor dem Laufen auf die Landstraße geschützt werden.
Manchmal, sagt Birgit Oberkötter, seien auch die kleinen Dinge des Alltags wichtig. In den Mails an die Geflüchteten gehe es dann beispielsweise darum, wie in Deutschland eingekauft werde, wann Feiertage seien und was sie bedeuteten oder welche Entscheidungen die Regierung getroffen habe. Auch so etwas sei wichtig, um den Menschen das Leben in Deutschland zu erklären.